Grafschaft Glatz (Schlesien) Neuigkeiten und Wissenswertes aus Schlesien

8.7.2025

Gebt Altheide das Bad zurück!

Filed under: Neues aus Schlesien — Horst Ulbrich @ 09:23

 

„Natürlich Altheide Bad“, antwortete Georg Pohl, 90, im Sommer 2025 auf die Frage, wie
er heute seinen Geburtsort nennt.
Natürlich Altheide Bad – das hatte nämlich Kurdirektor Georg Berlit 1925 durchgesetzt:
Altheide durfte als große Ausnahme das Prädikat seit 1925 auf den Namen folgen lassen.
Der auch sonst so erfolgreiche Kurdirektor hatte diese Besonderheit, sicher in
Abstimmung mit den Besitzern, der Fam. Haase, mit dem Handel und mit den lokalen
Politikern erreicht, damit sein Altheide in allen Übersichten und Listen von Kurorten in
Deutschland immer ganz oben stand – A wie Altheide Bad!
Bis 1945 ist es bei dieser Bezeichnung geblieben. Berlit hat dann noch die polnische
Leitung des Kurortes beraten, bis auch er 1946 sein geliebtes Altheide Bad verlassen
musste. Wenige Monate später, am 01.Oktober 1946, ist er in Braunschweig verstorben
und wurde in Bad Hersfeld beigesetzt.
Natürlich Altheide Bad! Dieser Ortsname lässt sich seit 1925 in so vielen Dokumenten der
Gemeinde wiederfinden, in den Prospekten des hochgelobten Kurortes, in Unterlagen der
damaligen Unternehmen, auf Briefbögen und auf Rechnungen, auf Straßenschildern und
auf Ortstafeln – kurzum Altheide Bad war jahrzehntelang ein eingeführter und erfolgreicher
Begriff, der wie selbstverständlich benutzt wurde.
Auch wenn sich die andere Reihenfolge leichter sprechen lässt, auch wenn
„gewohnheitsmäßig“ das Bad eben vor dem Ortsnamen ausgesprochen wurde – offiziell
hieß es zwanzig Jahre Altheide Bad.
Dabei gehörte Altheide Bad zu den führenden Kurorten Deutschlands, wurde oftmals z.B.
mit Bad Nauheim verglichen und konnte vor dem 2.Weltkrieg jährlich ca. 16.000 Kurgäste
verzeichnen: Berlit und seine Mitarbeiter sind für ihre erfolgreichen Aktivitäten
deutschlandweit ausgezeichnet worden, auch wenn der Kurdirektor sich deutlich gegen
das Nazi-Regime positioniert hatte.
Altheide Bad! So steht es natürlich noch immer in den 21 Ausgaben der Altheider
Weihnachtsbriefe, die bis 2017 erschienen sind und die so viele Erinnerungen an Altheide
Bad am Leben erhalten und immer wieder neu geweckt haben.
So steht es ebenfalls in den Familiennachrichten des Grafschafter Boten, die von Georg
Pohl und Werner Bartsch betreut werden. Und sonst?
Altheide Bad? Wem das so wohl nicht gefallen hat? Wie aus diesem besonderen, fast
einmaligen Etikett das übliche und fast schon langweilige (Bad vor dem Namen) Altheide
geworden ist?
Altheide Bad? Nur aus Gewohnheit eben nicht mehr in dieser Reihenfolge? Oder zufällig?
Altheide Bad? Sonst wurde und wird doch viel Wert auf die Benutzung des korrekten
deutschen Namens der nun z.B. polnischen Orte gelegt. Warum nicht bei Altheide Bad?
Ob der Deutsche Bäderverband im Westen seinerzeit froh war, nicht mehr an Altheide Bad
da tief im Süden von Schlesien, im Glatzer Land erinnern zu müssen?
Ob so mancher Redakteur dankbar war, diese Besonderheit des Namens nicht mehr
beachten zu brauchen?
Ob die deutschsprachigen Reiseveranstalter diese spezielle Auflistung lieber nicht mehr
angewandt haben?

Oder ob gar die Konkurrenz der mehr als 350 Kurorte allein in Deutschland recht gern
diese spezielle Auszeichnung vergessen und schnell abgeschafft hat?
Oder wer könnte sonst noch ein Interesse gehabt haben, nicht mehr „Altheide Bad“ sagen
und schreiben zu müssen?
Statt weiter über Beweggründe und Gewohnheiten zu spekulieren: Zumindest hier sollte
es wieder „Altheide Bad“ heißen, auch wenn Gewohnheiten geändert werden müssen.
Die Weihnachtsbriefe haben es vorgemacht und viele Jahre dokumentiert: Kurdirektor
Berlit hat 1925 ganze Arbeit geleistet – Altheide Bad lebt!
Quellen: Altheider Weihnachtsbriefe bis 2017.

Bericht von Peter Becker,  DFK Glatz

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