Grafschaft Glatz (Schlesien) Neuigkeiten und Wissenswertes aus Schlesien

19.4.2019

Neues aus Schlesien, Ostern 2019.

Filed under: Neues aus Schlesien — Horst Ulbrich @ 20:54

Deutscher Freundschaftskreis

Deutsche sozial-kulturelle Gesellschaft

Kreisverband Glatz

Niemieckie Towarzystwo Społeczno-Kulturalne w Kłodzku

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Liebe Leser meiner Seite.

Vor dem Osterfest gab es noch viel Arbeit beim DFK in Glatz. Palmsonntag waren die Malteser aus Telgte wieder mit einem Hilfstransport bei uns. Wir waren dann gemeinsam auch bei unserer Wiktoria, über deren Schicksal mit 3 abgetrennten Gliedmaßen ich schon mehrfach berichtet habe. Eine Sammlung bei den Maltesern, die Einnahmen aus einem Jugendkonzert und die Sammlung der Stadtverwaltung in Telgte ergaben eine Hilfe von 3500,- €, die zum weiteren behindertengerechten Umbau der Wohnung eine große Hilfe sind.

      

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Nach dem Abladen des LKW an unserem Zentrallager in Schwenz waren alle Helfer von Familie Ulbrich zum Abendessen und Bier eingeladen.

Schon am Montag wurden dann einige von den Heimen vorbestellten Hilfsgüter weitergeleitet, bevor uns am Dienstag ein Großtransport der LKW-Fahrschule bei Münster erreichte.

 

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Herr Pollok war wieder mit 2 großen LKW bei uns und hat allein für das Krankenhaus 50 dringend benötigte Pflegebetten geliefert, das damit nun über insgesamt 200 gelieferte Pflegebetten verfügt. Aber weitere 100 Betten wären erforderlich, um die alten – viele sind noch aus deutscher Zeit –  zu ersetzen. Abladen und Weitertransport weiteren Materials sind immer wieder eine logistische Herausforderung, die mir aber bisher gut gelungen ist. Genügend Helfer und Stapler, um die vierfach gestapelten Betten zu entladen, sowie Fahrzeuge für den Transport in Kinder-und Altenheime sind immer erforderlich. Wieder eine große Hilfe für die kommunalen Einrichtungen im Rahmen der Völkerverständigung und wir sind dankbar für das Engagement unserer Sponsoren.

   

Zum ersten Mal war auch die polnische Presse geladen, damit unsere seit Jahren ehrenamtliche Arbeit endlich einmal der Bevölkerung bekannt wird. Auch die beiden Kirchengemeinden aus Berlin möchte ich in diesem Zusammenhang erwähnen. Sie liefern uns in der Oster- und Weihnachtszeit immer Süßigkeiten und gute Kleidung für unsere bedürftigen deutschen Mitglieder.

Natürlich war auch noch die Grab- und Denkmalpflege vor Ostern zu erledigen. Mit Putzmitteln und Lichtern in der Zimmerstraße angekommen, war leider das Tor am Samstag Mittag schon verschlossen.

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Allerdings war eine große Laterne am Gedenkstein schon mit einer Kerze versehen, so bin ich zum Glatzer Friedhof weitergefahren. Am Grab unseres ehemaligen Chorleiters Marek, der im Januar verstorben ist, traf ich seine Frau weinend auf der Bank sitzend. Dort werden wir einen Beitrag zu einem Grabstein leisten müssen. Nach langen Gesprächen war ich dann noch bei Paul Kaupert, dessen Grab ich vor ca. einem Jahr gekauft habe, weil unsere älteren Damen geweint haben.

                 

Das Grab des Glatzer Komponisten und Organisten der Stadtkirche sollte damals abgeräumt werden, wie viele sehr alte Gräber vor 1945. Der Friedhof hat zu wenig Platz. Nun sieht das Grab mit neuem Stein und Grabplatte wieder sehr gut aus und wird für die nächsten Generationen Zeugnis der Deutschen in der Grafschaft ablegen.

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Weiter ging es nach Eckersdorf, wo ich die Grabpflege der Grafen von Magnis übernommen habe.

Als letzter Termin dann zum ehemaligen Küster der Lorettokapelle, Heinrich Bender, oberhalb von Eckersdorf. Rasenmähen und Ordnung um den Stein und die Infotafel waren zu erledigen. Immer noch für alle Heimreisenden ein lohnenswerter Aussichtspunkt auf Eckersdorf und die Heuscheuer.

Aber auch alle kranken und alten deutschen Mitglieder sind vor dem Fest zu besuchen. Ich muss mir dann immer genügend Zeit nehmen, um alte Geschichten zu hören, auch, um weitere Hilfe zu organisieren. Ich denke, meinen Lesern ist die Lage der alten und kranken Menschen in Polen bei dem hiesigen Sozialsystem bekannt. Leider habe ich nicht alle besuchen können und habe auf die Zeit nach Ostern vertrösten müssen.

Nach Ostern hoffe ich auch die letzten Probleme mit dem Denkmalschutz wegen der Renovierung der Bergmanngräber in Neurode klären zu können, damit es auch dort endlich vorangeht.

So ist die Zeit von morgens bis abends ausgelastet und ich freue mich ab Samstag Nachmittag nach der Messe um 16 Uhr in der Kapelle in Schwenz endlich Zeit für ein Privatleben zu bekommen.

Allen, die mit Spenden auf unser Konto Schlesienhilfe

DE02 4945 0120 111 255 1179 unsere Sozialarbeit unterstützt haben oder für unsere Vereinstätigkeit in der Heimat unter De76 4945 0120 111 255 2854 einen Beitrag geleistet haben,

ein herzliches „Vergelt´s Gott“, wie wir Schlesier sagen.

Ich wünsche allen Lesern ein besinnliches und frohes Osterfest.

Bericht

Horst Ulbrich

11.4.2019

Joseph Wittig: 140. Geburtstag / 70. Todestag

Filed under: Neues aus Schlesien — Horst Ulbrich @ 10:18

 

Diese beiden diesjährigen Gedenktage sollen die Erinnerung an den Breslauer Theologen und Priesterdichter wachhalten, sein Werk der Nachwelt aufzeigen und näherbringen.

Der schlesische Joseph Wittig aus Neusorge in der Grafschaft Glatz erhielt aufgrund seines umfangreichen Lebenswerkes mannigfache ehrenvolle, aussagekräftige Titel wie Theologe, Volkslehrer, Pädagoge, Professor, Heimatpfleger, Volkskundler, Volkserzieher, schlesischer Denker und Schreiber, Chronist usw. Der Grafschafter emotional ausgeprägter Volksglaube schätzt vor allem seine ihm eigene dichterische Kunst, den Menschen in erzählender Form Glaubenswahrheiten zu erhellen, seine sog. „narrative Theologie“. Er sah sich als „Schreiber des Herrgotts“ in der Verpflichtung, „Verkünder der Frohbotschaft“ zu sein. Sein Versuch, „das Irrationale im ganzen Leben aufleuchten zu lassen“, um dadurch „ein Tröster der Trostlosen zu werden“, „daheim in Schlesien, in der Grafschaft Glatz, dem Lande der Wunder, dem Lande Gottes“. „Alles in meinem Hause und um mein Haus war voll Wahrheit und Liebe.“ „Gott hat mir die Feder in die Hand gegeben, damit ich der Welt seine Ehre und die Erkenntnis seiner Liebe verkünde.“

Titel seiner Werke deuten bereits seine Zielvorgabe an, wenn er sie zum Beispiel überschreibt mit „Getröst, getröst, wir sind erlöst“, „Tröst mir mein Gemüte“, „Leben Jesu in Palästina, Schlesien und anderswo“, „Die Kirche im Waldwinkel“, „Vom Warten und Kommen.“

Mir persönlich, der ich gebürtig aus Altgersdorf stamme, steht eine Erzählung besonders nahe: „Der Schulmeister aus Altgersdorf“. Dazu muß man ferner wissen, daß Joseph Wittig als Schüler zur Vorbereitung auf den Besuch des Matthiasgymnasiums in Breslau durch Pfarrer Heinrich May im Nachbarort Neugersdorf Unterricht erhielt und Altgersdorf ebenfalls gut kannte. Der Zufall wollte es, daß der Sohn Alfred des Lehrers Paul Rosenberg, der über 40 Jahre die Lehrerstelle in Altgersdorf inne hatte, von 1902-1908 als Kaplan in Schlegel eingesetzt wurde. Dort wuchs eine Freundschaft mit Joseph Wittig heran, die zu einem Besuch im Schulhaus in Altgersdorf führte, der als Aufhänger für die Erzählung dient.

Dabei erinnert sich Joseph Wittig an ein früheres Gespräch mit dem Dorfschulzen, bei dem jener über „ die Schönheit seines Dorfes und über die geistige und sittliche Haltung der Dorfleute“ äußerte: „Das hat alles der Schulmeister mit seinem lieben Wort gemacht“.

Das nimmt nun Joseph Wittig zur Grundlage seines Exkurses über die Wirkmächtigkeit des Wortes und geht der Sache auf den Grund, indem er auf das Johannesevangelium zurückgreift und nach Joh. 1, 1-3 frei zitiert:

Der Urgrund der Welt ist das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und alles, was geschaffen worden ist, ist durch das Wort geschaffen, und ohne das Wort kann nichts geschaffen werden.“ Er grenzt die Aussage ein, indem er sagt, daß sie „nur von dem sogenannten Worte Gottes gilt, und von diesem auch nur in der Einschränkung auf das fleischgewordene Wort, auf die zweite Person in der Gottheit, …“. So beten wir gläubig täglich dreimal beim „Angelus“-Gebet: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!“

Schließlich betonen wir die Macht und Gewalt des Wortes bei der Anrufung vor dem Empfang der Hl. Kommunion, indem wir bereuen und analog mit der Formulierung des römischen Hauptmanns (Mt 8,8) um Vergebung unserer Schuld bitten: „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“ und so wie der königliche Beamte (Joh 4,46) dem Wort Jesu Glauben schenken.

Joseph Wittig verbindet diese religiösen Gedankengänge anschließend nach der Rede des Schulmeisters: „Ach, unsereiner hat halt bloß das armselige tägliche Wort!“ mit Überlegungen folgender Art: „Das Wort ist schöpferisch, es kann aber auch –zerstörerisch sein!“ Er läßt den Lehrer anmerken, dieser habe „jahrelang von der Ohnmacht seines Wortes gewußt und sei in diesen Jahren an seinem Beruf ganz verzweifelt.“

Der Dichter weitet die Gedankengänge noch aus: „Es ist in meiner Heimat Gesetz, daß man sich sowohl vor selbstrühmerischen Aussprüchen wie auch vor besonders lobender Erhebung leiblicher oder geistiger Güter eines anderen hütet, bei deren Verlust dann leicht gesagt wird: `Der oder jener hat mir`s beredet!´ Ich selber mag da nicht von Aberglauben reden. Zu deutlich sprechen die Erfahrungen. Lieber gebe ich das wissenschaftliche Dogma von der absoluten Neutralität und Harmlosigkeit des Wortes auf.“

Und er setzt letztendlich sein Urteil darunter:

Es kann in der vernünftigen Welt freilich kaum ein Wort ohne bestimmte Absicht gesprochen werden; aber die Absicht darf es nicht beherrschen wollen; sie muß es als freies Geschöpf in die Welt schicken, wo es das wirkt, was ein anderer will – ich darf … wohl sagen: was Gott will, das große, allmächtige und allein wahrhaft Wirkende.

Ich bitte, dem täglichen Wort zuzuerkennen, daß es nur eine kleine Strecke Weges unser ist, und daß wir es dann entlassen müssen in das von nahem kleine, von weitem große Werk des Lebens, oder – in der religiösen Sprache – daß wir es dem Herrgott befehlen müssen.“

Joseph Wittig erblickte das Leben am 22. Januar 1879 in Neusorge und verstarb am 22. August 1949 im niedersächsischen Göhrde-Forst.

Günther Gröger, Altgersdorf

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