Grafschaft Glatz (Schlesien) Neuigkeiten und Wissenswertes aus Schlesien

19.9.2012

Historische Friedhofsanierung in Ebersdorf

Filed under: Neues aus Schlesien — Horst Ulbrich @ 17:37

Historische Friedhofsanierung jetzt anerkannt

In Polen gibt es seit dem 18.03.2010 ein neues „Gesetz über Denkmalschutz und Denkmalpflege“, dass auch für die sanierten deutschen Friedhöfe im früheren Schlesien gilt. Diese Auskunft stammt vom Deutschen Generalkonsulat in Breslau und wurde zwischenzeitlich auch von der zuständigen Polnische Behörde in Waldenburg bestätigt. Über diese „Frohe Botschaft“ können sich nicht nur alle zwischen 2006 und 2009 im früheren Ebersdorf/Kr. Habelschwerdt und heutigen Domaszkow an den Sanierungsarbeiten beteiligten ehrenamtlichen Helfer sehr freuen, sondern auch alle die Personen, die durch ihre großzügigen Geldspenden das Projekt finanziell ermöglich haben. Denn durch diese nachträgliche staatliche Anerkennung haben es die Ebersdorfer geschafft, aus einer kaum noch als Friedhof zu erkennenden Wildnis ein denkmalgeschütztes Objekt zu machen, selbst wenn die Staatliche Urkunde und das rot-weiße Hinweisschild noch fehlen.
Rückblickend betrachtet war es durchaus kein einfaches Unterfangen, sechzig Jahre nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus dem niederschlesischen Heimatdorf den jahrelang gehegten und immer wieder erfolglos geäußerten Wunsch nach einer Sanierung der noch vorhandenen Gräber erfüllt zu bekommen. Dass es doch noch geklappt hat, konnten die aktiv beteiligten Helfer und die spendablen Geldgeber bereits im Sommer 2009 aus Anlass der feierlichen Einweihung des Geländes unter Beteiligung des Großdechanten Franz Jung persönlich erfahren. Und bei der im September 2009 in Löhne/Herford gefeierten 56. Ebersdorfer Kirmes wurde ausführlich anhand von Bildmaterialien und  Dokumenten darüber informiert. So konnte man damals bereits erfahren, dass bei den sieben arbeitsreichen Einsätzen immerhin 140 Gräber und Grabsteine vor dem Dauerhaften Verlust gerettet und somit auch vor dem Vergessen bewahrt worden sind.
Weiterhin ist besonders erwähnenswert, dass während des mehrjährigen Verlaufes der Sanierungsmaßnahmen auch ein Stück weit „Versöhnung über den Gräbern“ stattgefunden hat, wie es durch das Projektmotto beabsichtigt war. Denn erfreulicherweise konnten bereits von Anfang  an zunächst polnische Jugendliche und dann auch erwachsenen Helferinnen und Helfer aus der polnischen Dorfgemeinschaft von Domaszkow im Kreis Bystryca Klodzka zur Mitarbeit gewonnen werden. So dass man von einer wenn auch nicht ganz problemlos gewachsenen deutsch-polnischen Kooperation sprechen kann. Und dass sich das für beide Seiten gelohnt hat, belegt allein rein zahlenmäßig eine polnische Projektstudie vom 18.Juli 2009, wonach dank der ausschließlich von der deutschen Seite finanzierten Sanierung  auf dem historischen deutschen Friedhof rund 330 Begräbnisplätze für die polnische Dorfgemeinde geschaffen worden sind. 
Gleichzeitig haben sich die ehemaligen Ebersdorfer eine würdige – und jetzt auch noch denkmalgeschützte- Gedenkstätte an ihre zum Teil vor über 100 Jahren lebenden Vorfahren geschaffen, die bis zur Vertreibung 1946 dort verstorben waren. Wobei das gesetzlich garantierte Bestandsrecht und die daraus resultierende Pflegeverpflichtung besonders wichtig sind. Anlass genug, aus diesem Grunde und in Verbindung mit der diesjährigen Schlesienreise der ehemaligen Ebersdorfer und Oberlangenauer Heimatgemeinschaften in Domaszkow ein Pressegespräch zu führen und allen polnischen Freunden und Unterstützern für Gastfreundschaft und Hilfe herzlich zu danken.
Rudolf Schmidt

EHRENBEZEUGUNG DEN EHEMALIGEN ORTSBEWOHNERN
EBERSDORF. Einhundertvierzig sanierte Gräber – dies erreichte ein Grüppchen Deutscher, unterstützt von polnischen Freiwilligen, während sieben  mehrtägigen Besuchen.
Der Friedhof unterscheidet sich scheinbar mit nichts von vielen ähnlichen, in den Dörfern des Glatzer Berglandes verstreuten. Er ist nicht zu groß, nicht zu klein, mit einer Menge alter Grab-steine, die aus einer Zeit stammen, als in diesen Gebieten Deutsch noch als Muttersprache herrschte. Beim genaueren Hinschauen bemerkt man allerdings eine sichtbare Andersartigkeit dieser Nekropole. Alles ist geordnet; alte Grabsteine, derer Inschrift gotische Buchstaben zieren, welche beim ersten Anblick den Slawen schwierig erscheinen, sind sauber und gut erhalten. Sie gehen nicht in den chaotisch wuchernden Sträuchern unter.  Ich gehörte der Organisation „Jugend für das Glatzer Bergland“ an, wir stammen von unseren Großmüttern ab, die Deutsche sind und eben aus diesen Gebieten stammen – sagt Volontär Adam Kwaśniewski aus Bad Altheide, der an der Sanierung der Ebersdorfer Nekropole teilgenommen hat.  – Als sich die Gelegenheit geboten hat, haben wir beschlossen, bei der Sanierung dieses Friedhofes mitzuhelfen.
Alles fing bereits vor mehreren Jahren an. Deutsche, hauptsächlich Rentner, hatten beschlossen diesen Friedhof zu sanieren, auf dem die Gebeine ihrer Väter und Großväter ruhen….
Sieben mehrtägige Aufenthalte in vier Jahren waren ausreichend, um ihr Ziel zu erreichen – 140 Grabsteine wurden saniert. Die Anfänge waren schwierig, das Vertrauen der Ortsbewohner musste gewonnen werden und das – in diesem Falle wichtigere – des Pfarrers.  Das erste Problem auf das wir gestoßen sind, war der Widerstand des Pfarrers – sagt in einem schönen Polnisch Siegfried Karpinski.  Er war über unser Vorhaben, die deutschen Gräber     restaurieren zu wollen, nicht begeistert, zeigte sich nicht kooperativ. Mehrere Gespräche stimmten ihn jedoch um. Letztendlich äußerte er sich dazu zufrieden stellend.
Laut Aussage der Deutschen herrschte anfänglich auch unter den Dorfbewohnern geteilte Meinung, ein Teil unterstützte die Sanierung, andere waren dagegen  – es fehlte an Informationen über das, was hier getan werden sollte. Als dies geklärt worden war, erhielten wir reichlich Unterstützung. Zum Beispiel strichen die Ortsbewohner den Friedhofszaun mit an, versorgten uns mit Kaffee, Tee und gebackenem Kuchen. Es war sehr angenehm. Es sind auch unangenehme Momente vorgekommen – so fragte man uns nach einer schriftlichen Genehmigung und als Zement für das Gießen der Sockel geliefert wurde, blockierte man die Zufahrt. Nun galt es, die Bewohner noch in unsere Richtung umzustimmen.  Man versuchte auch Jugendliche beider Länder zu gemeinsamer Arbeit im Rahmen einer Integra-tion zu mobilisieren. Leider ließ sich das bis zum Abschluss der Arbeiten nicht realisieren. Ein Lob muss allerdings den jungen Leuten aus unserer Gegend ausgesprochen werden, die im Sommer 2006 ihre Ferienzeit gerne in die Restaurierung der Gräber investiert haben. Im Falle der deutschen Jugend sah es nicht so gut aus. Der Wille, bei so einem Projekt mitzuhelfen war nicht vorhanden. Es gab viele bereitwillige Helfer aus dem ehemaligen Ebersdorf, aber wir erwarteten, dass sich junge Leute aus Deutschland melden. Dort zeigt die Jugend für so etwas kein Interesse. Für uns war dies eine große Enttäuschung, das sind doch Nachkommen der hier früher wohnenden Personen –  stellt deutlich vorwurfsvoll S. Karpinski fest – Letztendlich kam nur ein junger Mann. Gemeinsam mit polnischen Jungen goss er den ersten Teil des Sockels aus. Es waren Ferien und somit viel Freizeit, um diese sinnvoll zu nutzen, erklärte ich mich bereit, bei diesem Projekt mitzuhelfen sagt Karol Soboń – es stellt mich zufrieden und es freut mich, dass die Deutschen hierher kommen können, um ein Grablicht anzuzünden, oder am Grabe der ihnen  nahe stehenden Verstorbenen zu beten.
Ich helfe gerne – bestätigt Karol Pawiuk aus Schönfeld – es ist schön zu beobachten, wie jetzt alles aussieht – es herrscht Ordnung und alles ist im rechten Lot.
Die Deutschen, die diese Friedhofsanierung durchgeführt haben, kamen nach Ebersdorf vorwiegend aus der Bielefelder Gegend. Dort fanden sie nach dem Krieg ihren Lebensraum. Wie es scheint, können sich gemeinsame deutsch-polnische Friedhofsanierungen zum guten Mittel entwickeln, um das historische Trauma, das immerhin noch an beiden Nationen zehrt, zu verarbeiten.
140 Grabsteine wurden saniert und umgesetzt.
Die Deutschen werden hier noch oft wiederkommen – wenn auch nur, um ein Grablicht anzuzünden, oder ein Gebet zu sprechen.
Verfasser: Rudolf Schmidt

ebersd.jpg  Einweihung mit dem Großdechanten F. Jung und dem hiesigen Pfarrer aus Ebersdorf.  Bitte auf das Bild klicken zum Vergrößern.

1 Kommentar »

  1. In Niederathen (Ratno Dolne) fand ich eine gepflegte Bergräbnisstätte oben am Schloß.
    Im Otktober 2012 dokumentierte ich die Begräbnisstätte fotografisch. Wie kann man in diesem Blog Fotos hochladen?
    Das Schloß selbst ist eine sehenswerte Ruine und wartet auf einen Investor.

    Kommentar von Winkler000 — 11.11.2012 @ 14:40

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