Grafschaft Glatz (Schlesien) Neuigkeiten und Wissenswertes aus Schlesien

12.7.2016

Beitrag zur Enthüllung der Gedenktafel Zimmerstraße in Glatz.

Filed under: Neues aus Schlesien — Horst Ulbrich @ 18:22

Es wurde eine Gedenktafel neben der ehemaligen Folterkammer des „Amtes für Sicherheit“ enthüllt

Die Glatzer „Kleine Wiese“

Wir müssen wissen, was geschehen ist, damit es in der Zukunft keiner wagt, die Opfer mit den Henkern gleichzusetzen.

Dank der Initiative der ehemaligen deutschen Gemeinschaften wurde am 18. Juni auf dem Grundstück in der ul. Grunwaldzka  [Horst-Wessel-Straße, Wiesenstraße] in Glatz eine Tafel enthüllt. Eingraviert wurde auf der Tafel ein Text in Polnisch und Deutsch: Wir gedenken der Polen und Deutschen, die von 1945 bis 1948 hier an diesem Ort von dem polnischen „Amt für Sicherheit“ in Glatz grausam gequält und ermordet wurden. Wir gedenken ihrer. Ihre Schicksale mahnen uns zur Versöhnung. Die Hinterbliebenen. Die Einwohner von Glatz. An der Feier nahmen u.a. Söhne von zwei dort ermordeten Deutschen teil.

Der erste Gedenkstein wurde an diesem Ort erst in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgestellt. Früher hatten die Menschen Angst, es zu erwähnen wegen der Brutalität und der Straflosigkeit der Täter. Laut den deutschen Archiven wurden dort ca. 70 Deutsche ermordet. Die Zahl der Polen ist nicht genau bekannt, aber es wird geschätzt, dass sie noch höher sein könnte.

Einer der Gefangenen war Marian Bazała, der im Jahre 1946 ins Glatzer Bergland kam. – „Es ist schwer, in Worte zu fassen, was die dort gefangenen Menschen erlebt haben“, sagt seine Tochter Teresa Bazała. Der Vater verbrachte mehrere Monate in einer Zelle mit den Vernommenen und Gefolterten. Aus dem, was er sagte, kann man entnehmen, dass dort die gleichen grausamen Methoden verwendet wurden, die wir aus Beschreibungen von anderen kommunistischen Gefängnissen kennen. Er sagte auch, dass rund um das Gebäude Löcher gegraben wurden. Es wurden dort die Leichen der Ermordeten hineingeworfen. Die Angehörigen dieser Menschen sollten nie herausfinden, was mit ihren Nächsten geschehen ist. „Mein Vater konnte wie durch ein Wunder das Gefängnis verlassen – wie er sagte – mit Hilfe einer Ärztin, die dort arbeitete. Heute bedaure ich, dass ich seine Erinnerungen im Detail nicht niedergeschrieben habe, als er noch bei vollem Bewusstsein war. Jetzt ist er fast 89 Jahre. Er kann sich an die meisten Dinge nicht mehr erinnern“, gibt Frau Teresa zu.

Die Worte auf der Tafel über Versöhnung und Vergebung sind sehr wichtig. Aus den Erinnerungen der deutschen Bevölkerung entsteht nämlich ein Bild der bestialischen Polen, von denen sie in diesem Gefängnis gefoltert waren. Sie vergessen nur, dass die UB-Funktionäre [des Amtes für Staatsicherheit] Kollaborateure der kommunistischen Regierung waren und mit der gleichen Grausamkeit auch Polen, Gegner des neuen Regimes, ermordeten.

Zur Zeit wird darüber diskutiert, ob die Exhumierung der Opfer der Glatzer Folterkammer durchgeführt werden soll. Die Befürworter sind überzeugt von der Notwendigkeit, die Wahrheit zu erfahren, und von einer würdigen Bestattung der Opfer der Folterkammer. Die Gegner sprechen von einem unnötigen Aufreißen der geheilten Wunden. Seit vielen Jahren ist an diesem Ort ein Kindergarten eingerichtet. Im Gebäude selbst gibt es auch keine Spuren mehr. Sie wurden bei der Sanierung entfernt, die nach dem großen Hochwasser 1997 stattgefunden hat.  Außerdem sind viele materielle Beweise für immer vernichtet worden, auch während des Baus eines nahegelegenen Ladens. Es bleibt nur die Erinnerung.

Mirosław Jarosz  [übersetzt von Irena Rogowska)

Internet Horst Ulbrich

1 Kommentar »

  1. Ein ausführlicher Bericht von Georg Wenzel über die Einweihung der „Gedenktafel an deutsche und polnische Opfer kommunistischer Gewalt an der Zimmerstraße in Glatz/Kłodzko“ steht unter:
    http://www.grafschaft-glatz.de/archiv/akt-1603.htm
    Kurzinformation von Christian Drescher

    Kommentar von admin — 20.10.2016 @ 09:34

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