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Deutsch - Polnischer Schüleraustausch
22.2.2012 von Horst Ulbrich.
Bericht vom deutsch-polnischen Schüleraustausch
zwischen dem Silverberg-Gymnasium Bedburg(D) und dem
Allgemeinbildenden Schulzentrum in Habelschwerdt / Bystrzyca Kłodzka (PL)
von der Schülerin Oliwia Pers, Habelschwerdt/Bystrzyca Kłodzka
Teil 1: Polen begrüßt die Deutschen
Wie fing alles an?
Am Anfang war ein Name: Franz Conrads. Und dieser Franz Conrads war bis 1932 Direktor am Aufbaugymnasium in Habelschwerdt und nach dem Zweiten Weltkrieg Leiter des Progymnasiums in Bedburg (NRW). Wenn man also will, ein „gemeinsamer“ Direktor.
Nach der Schließung des Lehrerseminars in Habelschwerdt in den 20er Jahren des 20. Jhs. wurde der aus dem Rheinland stammende Franz Conrads Gründungsdirektor der neuen staatlichen Regelschule in Habelschwerdt , die im Gebäude des Lehrerseminars eröffnet wurde und an der begabten Schülerinnen und Schülern aus der Umgegend die Möglichkeit gegeben wurde, die Allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Franz Conrads war ein sehr engagierter Pädagoge und Zeitgenosse (unter anderem war er jahrelang Vorsitzender und später Ehrenvositzender des Glatzer Gebirgsvereins). Unter seiner Ägide wurde die Schule in Staatliche Felbiger-Aufbauschule umbenannt. Nach den Wirren des Krieges kehrte er in die Heimat seiner Familie zurück, nämlich nach Bedburg, wo er 1946 beauftragt wurde, die von den Nazis geschlossene höhere Schule wieder aufzubauen (zunächst allerdings nur in Form eines Progymnasiums). In späterer Zeit wurde diese Schule weiter ausgebaut und erhielt den Namen Silverberg-Gymnasium.
In Zusammenhang mit der von Frau Direktorin K. Magierowska-Kasza durchgeführten Renovierung unserer historischen Schulaula in Habelschwerdt in den Jahren 2008/9 und der Suche nach historischen Fotos der ehemaligen deutschen Direktoren der Schule stieß Herr Heribert Wolf von der Habelschwerdter Heimatgemeinschaft auf die o.g. Verbindung zwischen Habelschwerdt und Bedburg in Gestalt des Direktors Franz Conrads. Ihm verdanken wir also den Anstoß zum Aufbau unserer Schulpartnerschaft. Die konkreten Kontakte zur Schulleitung in Bedburg in Nordrhein-Westfalen hat dann unser Habelschwerdter Fremdsprachenlehrer Herr H.-P. Keuten (der selbst ebenfalls im Rheinland geboren ist, dessen Familie mütterlicherseits aber aus Wölfelsdorf stammt) hergestellt. Auf deutscher Seite lag die konkrete Planung und Durchführung des Austausches in den Händen von Frau Dr. K. Angelike und Frau N. Högemann sowie auf polnischer Seite in den Händen von Frau A. Karpińska-Jach, Frau L. Brzezicka sowie Herrn H.-P. Keuten.
Und so begann unser unvergessliches Abenteuer mit den Nachbarn aus Deutschland.
Was haben wir gemacht?
Es war Donnerstag, der 16. Juni 2011. Ungeduldig und erwartungsvoll standen wir auf dem Habelschwerdter Bahnhof und warteten auf die Ankunft des Zuges, der die deutschen Gäste zu uns bringen sollte. Manche waren ein bisschen nervös, andere nahmen es gelassen und wieder andere freuten sich darauf, endlich ihre deutschen Austauschpartner kennen lernen zu können, mit denen sie z.T. schon seit einigen Monaten in E-Mail-Kontakt gestanden hatten. Endlich, mit ein paar Minuten Verspätung, rauschte der Zug in den Bahnhof ein. Und jetzt waren endgültig alle aufgeregt und gespannt, was passieren würde. Der Zug hielt an und die Gruppe der Deutschen mit ihren Lehrerinnen stieg aus – ermüdet und von der langen Reise vollkommen fertig, aber glücklich, am Ziel angekommen zu sein. Und der Austausch konnte endlich beginnen. Alle begrüßten sich, als ob man sich schon Jahre kennen würde. Schnell hatte jeder seinen Partner gefunden und das persönliche Kennenlernen war sehr herzlich – wie gut, dass Jugendliche keine Grenzen und Barrieren kennen! Gleich entwickelten sich lebhafte Gespräche, die wir beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen fortsetzen konnten. Nach dem Essen begleiteten wir die Deutschen erst einmal zu ihrer Unterkunft, wo sie sich einquartieren und frisch machen konnten.
Am Nachmittag haben wir uns dann bei sonnigem Wetter zu gemeinsamen Kennenlernspielen auf der Wiese vor der Unterkunft getroffen. Bei der Vorbereitung und Organisation dieser Spiele war ich maßgeblich beteiligt, und es hat mir große Freude bereitet, einige gute Ideen aus dem dpjw-Buch für Schülerbegegnungen auszusuchen und vorzubereiten. Bei den Kennenlernspielen haben wir viel gelacht, so zum Beispiel bei „Cip-cap” oder “wie geht‘s?“. Da unsere Freunde kein Polnisch konnten, haben wir entweder auf Deutsch oder auf Englisch gespielt.
Unser Programm war reich an unterschiedlichen Attraktionen. Wir haben unsere deutschen Freunde in unsere Schule mitgenommen, so dass sie sehen konnten, wo wir unseren Schulalltag verbringen und wie der Unterricht und das Schulleben in Polen aussieht. Danach haben wir in deutsch-polnischen Paaren eine Stadtrallye gemacht. Das ist auf großes Interesse gestoßen, denn wir konnten mit unseren Partnern zusammenarbeiten und bekamen es auch irgendwie hin, uns mit ihnen zu verständigen. Das war super! Die besten Mannschaften sind mit originellen Preisen belohnt worden. Wir waren auch in Breslau, wo wir u.a. das Edith-Stein-Haus besucht haben. Dort haben wir auch einen Vortrag der in Habelschwerdt geborenen Historikerin M. Ruchniewicz zum Thema der Nachkriegsgeschichte der Grafschaft Glatz sowie der deutsch-polnischen Versöhnung gehört. Das war sehr interessant und lehrreich.
Ein Höhepunkt des Programms war der “Bunte Abend”, den wir veranstaltet haben. Die polnischen Familien haben keine Mühen gescheut, um den Gästen eine reiche Auswahl an traditionellen polnischen Gerichten zu präsentieren. Nach dem Büfett gab es eine Diskussionsrunde mit Zeitzeugen aus Habelschwerdt und den umliegenden Orten, d.h. zwei Deutschen aus Bad Kudowa, die nach dem Krieg in ihrer Heimat geblieben sind und bis heute hier leben, einer Deutschen, die 1946 als Kind mit ihrer Familie vertrieben wurde, sowie einem Polen, der aus den ehemaligen ostpolnischen Gebieten (der heutigen Ukraine) vertrieben und nach dem Krieg in der Grafschaft Glatz angesiedelt wurde. Die Jugendlichen aus Polen und aus Deutschland hörten den Berichten der vier Zeitzeugen gespannt zu und stellten anschließend viele Fragen.
Nach Ende des offiziellen Teils gab es noch ein Konzert der Schulrockband “MOZG”. Das war toll! Wir sangen und tanzten bis in die Nacht hinein und hatten viel Spaß zusammen.
Am Samstag haben wir die Stadt Glatz einschließlich des unterirdischen Festungslabyrinths besucht, waren beim DFK Glatz eingeladen (unter anderem zur Pizza) und besuchten nachmittags die Tropfsteinhöhle im Klessengrund. Abends waren wir noch auf einem Konzert der Musikschule Habelschwerdt im Rathaussaal, und der Abend klang aus mit einem gemeinsamen Grill.
Insgesamt hat mir der Austausch sehr gefallen. Da ich schon mehrmals an einem Austausch teilgenommen habe, kann ich vergleichend sagen, dass die Verständigung mit unseren ausländischen Nachbarn mit zunehmendem Alter eigentlich immer besser klappt. Zumindest für meinen Teil kann ich das behaupten. Die Stimmung war einfach großartig, und die Deutschen planen auch schon einen privaten Besuch in Polen im kommenden Jahr. Sie sind halt gut drauf, die Deutschen!
Wirklich tolle Erlebnisse
Die Vorbereitung des Austauschprogramms war recht anstrengend (so wurde u.a. auch die Broschüre „Gemeinsam Geschichte erleben“ dank der Unterstützung des dpjw verfasst und gedruckt), aber schließlich hat es sich gelohnt, denn wir konnten auch an Workshops teilnehmen (z.B. zum Thema Vorurteile) und haben in Gruppen Poster zum Thema der deutsch-polnischen Geschichte und auch der Geschichte unserer Region und unserer beiden Schulen hergestellt.
Abends erwartete uns immer irgendeine Überraschung, ein Bunter Abend, ein Konzert, gemeinsames Grillen oder auch Ausflüge mit den Partnern in den Ort. So haben wir gemeinsam mit unseren neuen Freunden eine unvergessliche Zeit erlebt.
Entsprechend schwer fiel allen der Abschied. Wir hatten kaum mehr als eine Woche miteinander verbracht, aber alle waren einander ans Herz gewachsen, so dass die Tränen beim Abschied flossen. Die Umarmungen und Verabschiedungen wollten kein Ende nehmen, und fast wäre der Zug schon ohne die Deutschen wieder abgefahren …
Und der Trennungsschmerz hielt auch nach der Abreise der Deutschen an. Aber da wissen sich Jugendliche des 21. Jahrhunderts guten Rat, denn wozu gibt es das Internet und Facebook. Dort haben wir gemeinsam mit den Deutschen die Tage bis zu unserem Gegenbesuch in Deutschland gezählt. Tag für Tag, Woche für Woche wurde die Zahl immer kleiner, bis der Kalender endlich den 22. September 2011 anzeigte und wir nach Bedburg abfuhren.
Teil 2: Deutschland begrüßt die Polen
Facebook war also unser Lebensretter. Wie oft haben wir geschrieben, dass wir es nicht erwarten können, bis wir endlich nach Deutschland fahren. Wir warteten und warteten, bis es schließlich so weit war!
Unsere Reise nach Deutschland war schrecklich … Vom Einstieg in den Bus in Glatz bis zur Ankunft in Bedburg vergingen sage und schreibe … 17 Stunden! Ich würde nicht sagen, dass dies gerade wenig war, aber trotzdem - seien wir ehrlich – war es eine amüsante Reise.
Jeder normale Mensch wäre nach solch einer Reise fertig, todmüde und apathisch. Aber wir doch nicht! Wir waren vollkommen aus dem Häuschen und konnten es nicht abwarten, endlich die Gesichter wiederzusehen, die wir drei Monate lang vermisst hatten!
Zunächst setzte uns der Bus morgens in Köln vor dem Dom ab, nur noch eine kurze Bahnfahrt vom Ziel unserer Reise entfernt. Als wir dann endlich auf dem kleinen Bedburger Bahnhof ausstiegen, kamen uns unsere Austauschpartner schon entgegen und begrüßten uns herzlich. Wir fuhren dann zunächst in unsere Gastfamilien, bei denen wir die nächsten Tage wohnen durften. Nach der Einquartierung haben wir uns dann gegen Abend in der Altstadt mit der ganzen Gruppe getroffen und den Austausch offiziell eröffnet.
In den nächsten Tagen konnten wir mehrmals am Unterricht des Silverberg-Gymnasiums teilnehmen und das Schulleben an einem deutschen Gymnasium erleben. Manchmal haben wir natürlich nicht alles verstanden, aber mit “body language” kann man sich notfalls immer verständigen.
Wir haben auch einige tolle Ausflüge gemacht. Wir waren unter anderem in Köln sowie Aachen, wo wir die Denkmäler dieser schönen Städte bewundern konnten. Der lustigste Moment des Austausches war die „Erkundungsreise“ auf Kajaks auf der Erft. Es lässt sich mit Worten kaum beschreiben, wie viel wir gelacht haben. Danach haben die deutschen Gastfamilien einen “Bunten Abend” für uns veranstaltet, wo wir traditionelle deutsche Gerichte kosten konnten. An diesem Tag konnten wir auch einem interessanten Vortrag einer älteren Dame lauschen, die vor dem Krieg in Habelschwerdt geboren ist. Auch Herr Wolf von der Habelschwerdter Heimatgemeinschaft (der übrigens nur ein paar Wochen vorher in unserer Schule zu Besuch gewesen war) war anwesend und begrüßte uns herzlich. Die ältere Dame erzählte uns, wie sie 1946 Habelschwerdt verlassen und in Westdeutschland ein neues Leben beginnen musste. Zwei Schüler aus der deutschen Gruppe sind übrigens mit ihr verwandt.
Den Unterricht in Deutschland zu erleben, war schon interessant. Manchmal ist der Unterricht schon anders, als wir es aus Polen gewohnt sind, beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Auch wenn ich mit dem zufrieden bin, wie es bei uns in Polen ist – es gibt stets Raum für Verbesserungen …
Zu den schönsten Erlebnissen des Austausches gehörten sicherlich die gemeinsamen Feiern und Stadttouren, die wir privat mit unseren Freunden unternommen haben. Da haben wir uns natürlich erst richtig privat kennen gelernt … aber mehr darf ich an dieser Stelle nicht darüber schreiben. An diese gemeinsamen Stunden erinnern wir uns alle besonders gern, andererseits machen sie uns aber auch traurig, weil die schöne Zeit so schnell vorbei ging und der Schulalltag uns nun wieder alle zurück hat.
Und dann kam der Tag, an dem wir uns wieder trennen mussten. Das war sehr schwierig, weil wir uns doch schon sehr angefreundet hatten. Alle waren sehr traurig und es kam zu Weinkrämpfen und langen Verabschiedungen. Auch wenn wir uns freuten, unsere Familien und Freunde zu Hause wiederzusehen, so wären wir andererseits am liebsten hier geblieben, in Deutschland. Aber unsere Freunde haben uns mit dem Versprechen getröstet, dass sie uns zu Ostern besuchen kommen würden …
LOHNT SICH DAS …?
Trotz einiger ausgestandener Ängste, z.B. ob ich sprachlich irgendwie über die Runden komme, wussten wir schon nach dem ersten Treffen mit den Teilnehmern und Organisatoren, dass der Schüleraustausch für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Die Deutschen haben viel Energie und ihr ganzes Herz in die Vorbereitung und Durchführung dieses Austausches gesteckt. Alles war bestens vorbereitet und gut durchdacht. Wir alle haben uns sehr gefreut, nette Menschen kennenzulernen, bei denen wir wohnen und mit denen wir eine Zeitlang zusammenleben und Spaß haben durften. Selbst an deutsch-polnischem Techtelmechtel hat es während des Austausches nicht gefehlt, aber dieses Thema will ich hier nicht näher behandeln.
Zusammenfassend können wir nur alle Schüler und Schülerinnen auffordern, an einem solchen Austausch teilzunehmen. Es lohnt sich!
Bild 1 Deutsch-Polnische Schülergruppe in Polen vor der Schule in Habelschwert.
geschrieben von Oliwia Pers, DFK-Mitglied, 3. Liceumsklasse ZSO Bystrzyca Kłodzka, mit Unterstützung von Heinz-Peter Keuten, Lehrer an der ehem. Aufbauschule Habelschwerdt
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Referat beim VDG in Heppenheim
13.2.2012 von Horst Ulbrich.
Besuch des Vorsitzenden des DFK Glatz in Heppenheim und Bensheim
Auf Einladung des BDV Landesverband Hessen begab sich der Vorsitzende des DFK Glatz, Horst Ulbrich, nach Heppenheim. Die Kontakte wurden aber wohl durch Bürgermeister A.D. Herrn Stolle hergestellt, der 2011 als Repräsentant der Partnerstadt Bensheim in Glatz war, als Herr Ulbrich dort über die soziale und kulturelle Arbeit des DFK berichtete.
Horst Ulbrich war am Samstag 4.2.2012 als Hauptredner zur Landwirtschaftswoche Südhessen geladen um über die Landwirtschaft in Polen zu berichten. Sein Referat trug den Titel „ Landwirtschaft in Polen im Kontext zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Landes.“
Außer Landwirten und Zuhörern aus den Stadträten Heppenheim und der Glatzer Patenstadt Bensheim waren eine große Anzahl BdV-Mitglieder anwesend, um sich die Entwicklung in der Nachkriegszeit näher bringen zu lassen.
Herr Ulbrich beschrieb zunächst die Situation in der Grafschaft Glatz in den ersten Tagen nach der Vertreibung der deutschen Landbevölkerung, die Neuansiedlung der heutigen polnischen Bewohner und wie das Zusammenleben beider Völker sich entwickelte. Er berichtete über die zahlreichen Umstellungen der Landwirtschaft während der kommunistischen Zeit, die Konflikte der Partei mit den Bauern wie auch die Lebensmittelknappheit durch Misswirtschaft bis zur politischen Wende. Immer wieder gespickt mit eigenen Erlebnissen und denen seiner Familie. Dann aber auch die Situation nach 1989 mit einer neuen Landordnung und später die segensreichen Zahlungen aus EU-Mitteln, wie auch die neuen Regeln der Kreditvergabe über den Euro, die es den Landwirten nun ermöglichte, zu bezahlbaren Kreditzinsen neue Maschinen zu kaufen, um endlich mit Gewinn produzieren zu können.
Nach seinem Referat wurde er lange Zeit mit Fragen überschüttet und es dauerte fast eine Stunde, bis alle Fragesteller zufrieden waren. Danach bedankte sich der Stadtrat mit einem Sortiment edler Weine aus Heppenheim. Bürgermeister a.D. Herr Stolle aus Bensheim war schon ungeduldig und Herr Ulbrich konnte eine Einladung zum Essen mit dem BdV in Heppenheim nicht annehmen, denn er wurde sofort in die Partnerstadt Bensheim gefahren. Dort gab es nach einer Stadtbesichtigung ein Treffen mit dem Vizebürgermeister und eine Aussprache in Anwesenheit der Stadtbeauftragten. Nach den ganzen Pflichtprogrammen gab es gegen 16 Uhr eine Einladung zum Essen im alten Rathaus und der für alle wohl informative und erfolgreiche Tag wurde mit einem guten Glas Bensheimer Wein beendet. Nach einer weiteren Nacht im Hotel Goldener Engel in der historischen Altstadt von Heppenheim trat Herr Ulbrich die lange Heimreise nach Glatz in Polen an. Das nächste Treffen mit den Vertretern der Partnerstadt Bensheim wird es nach Absprache in Glatz geben. Ein Termin wird zu gegebener Zeit mit dem Bürgermeister in Glatz vereinbart.
Bericht
Heinz-Peter Keuten
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Trauer um Stephan Stache
30.7.2011 von GGV-BS.
Am 25. Juli 2011 verstarb nach schwerer Krankheit in Alter von 86 Jahren mit Stephan Stache ein heimatverbundener, fleißiger und zielstrebiger Landsmann und sehr guter Heimatfreund, der nicht nur der Grafschaft Glatz treu war sondern sich besonders um den Glatzer Gebirgs-Verein in Braunschweig verdient gemacht hat.
Stephan Stache war am 14. November 1924 in Schnellewalde (Kreis Neustadt/Oberschlesien) geboren und zog mit seinen Eltern als Kleinkind nach Plomnitz (Kreis Habelschwerdt/Grafschaft Glatz), wo sein Vater einen Fahrradhandel und ein Sägewerk betrieb.
Aus der Kriegsgefangenschaft konnte er nicht mehr in die Heimat zurückkehren und kam erkrankt nach Braunschweig. Dort fand er als gelernter Kaufmann bei Siemens eine Arbeit als Buchhalter, heiratete 1952 seine Ehefrau Ingeborg und wurde heimisch. Es kamen vier Kinder zur Welt, die die Familie inzwischen mit elf Enkelkindern bereichern.
Kurz nach der Wiedergründung des Glatzer Gebirgs-Vereins am 9. August 1951 in Braunschweig trat Stephan Stache dem GGV am 1. Mai 1952 bei und wurde schon bald im Vorstand mit verschiedenen Ämtern tätig. 1962 wurde er zum Kassierer bestellt, den er 44 Jahre bis 2006 ausübte. Er war der Initiator der GGV-Heimatstube, die er zusammen mit Walter Cleve im Vorstand durchsetzte und am 30. Mai 1987 in der Kreuzstraße in Braunschweig eröffnet wurde. 1990 übernahm er auch für 16 Jahre die Geschäftsstelle, als Paul Leister den Vorsitz an Hans-J. Taube in jüngere Hände gab.
Aufgrund seiner Verdienste um die Heimat, seine Mitmenschen und die deutsche Wanderbewegung wurden Stephan Stache zahlreiche und hochrangige Auszeichnungen verliehen: Zunächst erhielt er die silberne (1971) und goldene (1991) Ehrennadel des GGV, 1978 die silberne Ehrennadel der Landsmannschaft Schlesien, 1981 die silberne Ehrennadel des Sing- und Spielkreises Thune, 1984 den Ehrenteller des GGV, 1994 den Ehrenteller der Grafschaft Glatz, die silberne (1978) und goldene (1996) Ehrennadel des Deutschen Wanderverbandes.
Schließlich wurde Stephan Stache auf Antrag von Hubert Müller und Christian Drescher am 23. Mai 2005 vom Bundespräsidenten mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Anläßlich seines Ausscheidens aus dem Vorstand wurde er mit großer Freude bei der Jahreshauptversammlung am 18. Februar 2006 mit der Ehrenmitgliedschaft im Glatzer Gebirgs-Verein ausgezeichnet.
Durch sein tatkräftiges Wirken hat er wesentlich zum Erfolg des Glatzer Gebirgs-Vereins beigetragen. Seine großartigen Verdienste und die bis heute existierende Heimatstube werden uns Stephan Stache noch sehr lange in bester Erinnerung bleiben.
Der Glatzer Gebirgs-Verein (GGV) Braunschweig e.V. wünscht seiner Familie, die allzu oft zugunsten des Vereins auf den Ehemann und Vater verzichten mußte, viel Kraft und Trost, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten.
Christian Drescher
– Vorsitzender –
Nachgeborener (Vater aus Bielendorf,
Kreis Habelschwerdt/Grafsch. Glatz)
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Rübezahl ist tot!
21.6.2011 von Horst Ulbrich.
Ein Beitrag unseres DFK Mitgliedes Günther Gröger
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Rübezahl ist tot!
Seit der unverwundenen Vertreibung aus der schlesischen Heimat, die auch Rübezahl nicht zu verhindern vermochte, singen ganze Omnibusreisegruppen der Heimwehtouristen mit inniger Wehmut:
„Liegt die Heimat auch in weiter Ferne, doch Du Rübezahl hütest sie gut!“ Und nun diese Kunde!
Existiert ein „Grab Rübezahls“?
Ein westfälischer Freund befragte mich, ob ich die Grabstätte Rübezahls kennen würde. Voller Empörung antwortete ich mit dem obigen Liedtext, daß der schlesische Berggeist nach wie vor lebe und die Wächterfunktion ausübe. Noch nie hatte ich – in der Grafschaft Glatz beheimatet - anderes vernommen.
Darum wandte ich mich besorgt an einen schlesischen Freund, von dem ich wußte, daß er aus Schreiberhau stammt. Er kannte tatsächlich die Grablege aus seinen Kindertagen in der Heimat, dort zwischen Iser- und Riesengebirge, und konnte mir auch die örtlichen Gegebenheiten schildern.
Wo findet man den Ort der Grabanlage?
Im April dieses Jahres machte ich mich mit meiner Frau auf zu einem einwöchigen Urlaub in Bad Flinsberg am Fuße des Isergebirges. Bei einem Tagesausflug nach Schreiberhau pirschten wir uns an die angegebene Stelle heran.
Wir fuhren zunächst zum Museum der berühmten Dichterbrüder Karl und Gerhart Hauptmann und von dort etwa zwei Kilometer weiter zu einem Rehazentrum, wo wir unser Auto abstellten.
Zu Fuß wanderten wir noch einmal etwa zwei Kilometer nach einer polnischen Wanderkarte zum eingezeichneten „Grob Karkonosza“. „Karkonosz“ bzw. „Pan Liczyrzepa“ sind polnische Bezeichnungen für den übernommenen und für Werbezwecke eingesetzten schlesischen Berggeist Rübezahl.
Welche Gestalt hat die Grabstätte?
Nach einem kurzen Irrweg fanden wir schließlich in einem Waldgebiet aufgehäufte Felsblöcke und erkannten darin sogleich das steinerne Denkmal.
Uns wurde ganz eigen ums Herz; und ich ertappte mich bei dem Gedanken, hier, an diesem „historischen“ Ort, für das Seelenheil des berühmt-berüchtigten Herrn der Berge ein Gebet zu sprechen!
Als ich meinen Fotoapparat einsetzen wollte, stellte ich mich für die Aufnahmen auf eine ca. zwei Quadratmeter große, dicke Felsplatte. Da machte mich meine Frau darauf aufmerksam, daß unter meinen Füßen Buchstaben zu erkennen seien. Tatsächlich erschienen bei einer Säuberung von Laub, Fichtennadeln und Erdreich eine Reihe eingeritzter Zeichen. Deutlich wurden die Wörter „Rübezahls Grab“ sichtbar, dazwischen – auf dem Kopf stehend – das Wort „Karkonosz“.
Wie ich befürchtete, waren nach der Entwicklung des Films auf dem Foto die Schriftzüge kaum auszumachen. Weil ich das schon ahnte, überlegten wir, wie wir das Schriftbild besser kenntlich machen könnten. Meinen Vorschlag, in einem der nächsten Häuser um eine Tüte Salz oder Mehl zu bitten, verwarf meine Frau mit dem Hinweis, daß die Feuchtigkeit das Ansinnen zum Mißerfolg führen würde.
Also kehrten wir zum Auto zurück und fuhren die vielleicht sechs Kilometer in den Ort Schreiberhau zurück, wo wir in einem Schreibwarengeschäft eine Schachtel weiße Kreide (laut polnischem Wörterbuch: „Biala Kreda“) kauften.
Damit ausgerüstet besuchten wir die Grabanlage ein zweites Mal und zogen die Buchstaben mit der Kreide nach. Nun zeigt auch das Foto gut lesbar die Inschrift.
Nicht weit davon weisen Schrifttafeln auf diesen Ruheort und auf einen wunderbaren Aussichtspunkt hin. Für deutsche „Trauergäste“ allerdings unverständlich, denn die Texte wurden nur in Polnisch und Englisch abgefaßt!
Wer war Rübezahl?
Im Internet finden sich eine Reihe Angaben über den „Berggeist (Schrat) des Riesengebirges“. Die Entwicklung des Namens dieser Sagengestalt hat offenbar eine lange Vorgeschichte. Seit dem 16. Jahrhundert kennt man Bezeichnungen wie Rübenczal, Rübezal, Ribezal, Riebenzahl. Immer galt er in den Sudeten als der Herr über Geister und Gnomen und fand mit gespenstischen Geschichten und schaurigen Illustrationen Eingang in die deutschen Volksmärchen. So hören wohl auch die Buschweiblein, die nach einer Sage aus meinem Heimatdorf Altgersdorf im Bieletal in den Wäldern zu finden sind, auf seine gebieterische Stimme.
Wie kam er zu seinem heutigen Namen?
Recht bekannt geworden ist die Legende des Weimarer Poeten Johann Karl August Musäus (1735-1787), der berichtet, wie der Berggeist an der Tochter Emma des Herzogs Gefallen fand und diese entführte. Sie sollte seine Frau werden. Als Zeichen seiner Treue verlangte sie von ihm, er solle die Rüben auf einem großen Acker zählen; denn sie wolle an ihrem Hochzeitstag alle beleben, damit sie ihr dienstbar sein sollten.
Während der Bräutigam sich an die Arbeit machte, zauberte sie aus einer Rübe ein Pferd und floh damit in aller Eile zu ihrem Verlobten Ratibor, dem Gründer der gleichnamigen Stadt an der Oder. Als der Freier die Flucht bemerkte, war Emma bereits aus seinem Herrschaftsbereich entwichen. Er hatte das Nachsehen und erhielt den Spottnamen „Rübezahl“, über den er sich mächtig ärgerte.
Welche Charaktereigenschaften werden ihm zugesprochen?
Neben J. K. A. Musäus haben andere sich ebenfalls in der Literatur dem Berggeist Rübezahl gewidmet, so z. B. Friedrich Bischoff, Ferdinand Freiligrath, Georg Gustav Fülleborn, Carl und Gerhart Hauptmann, Paul Keller, Wolfgang Menzel, Martin Opitz, Johannes Praetorius, Otfried Preußler, Robert Reinick. Auch die Malkunst (Peter Carl Geissler, Ludwig Richter, Moritz von Schwind, Max Slevogt) und die Musik (Louis Spohr, Carl Maria von Weber) griffen das Thema auf.
Musäus sieht den Wirkungskreis Rübezahls weniger auf der Oberfläche der Erde. „Zuweilen gefällt es dem unterirdischen Fürsten, seine ausgedehnten Provinzen zu durchkreuzen, die unerschöpflichen Schatzkammern der Flöze und edlen Metalle zu beschauen, die Knappschaft der Gnomen zu mustern und zur Arbeit anzusetzen. Denn die Gewalt der Feuerströme im Eingeweide der Erde muß durch feste Dämme gebändigt, mineralische Dämpfe müssen aufgefangen und in taubes Gestein geleitet werden, damit es sich in edles Erz verwandelt.
Dann und wann nimmt er Urlaub von den Regierungsgeschäften, erhebt sich an die Oberwelt und treibt sein Wesen auf dem Riesengebirge, wo er die Menschen narrt oder beglückt, straft oder belohnt, je nachdem, wie ihm gerade zumute ist. Denn Rübezahl ist ein launischer, unberechenbarer Geist, ungestüm, ja roh, dann wieder weich und gutmütig, heute der wärmste Freund, morgen fremd und kalt.“
Bleibt Rübezahls Wirkkraft über das Grab hinaus?
Rübezahl herrscht wohl weiterhin aus der Geisterwelt heraus.
Hugo Hartung erklärt mit unverminderter Gewißheit, daß der Berggeist noch immer im schlesischen Riesengebirge daheim sei.
„Er spielt noch immer die eiserne Harfe der Eiszapfen an den Wetterfichten des Kammes; er reißt nachts an den Fensterläden der Bauden; er spielt noch immer die große Sturmorgel und lockt mit dem Silberspiel des Rauhreifs die Skiläufer und die allzu Vorwitzigen in den Abgrund. Er ist noch immer groß und königlich, gut und böse, Herr des Riesengebirges: Rüüübezahl!“
Günther Gröger, Altgersdorf
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Neues vom DFK in Glatz.
25.4.2011 von Horst Ulbrich.
Liebe Grafschafter,
lange habe ich nichts Neues im Boten und im Internet geschrieben.
Dafür möchte ich mich entschuldigen, aber die Probleme hier vor Ort hatten mich zur Gänze in Anspruch genommen. Wie vielen bekannt war, hatte der DfK sein altes Domizil in einem Hinterhof ohne Heizung und Toilette aufgegeben und neue Räume bezogen. Die Mitglieder waren bis auf einige wenige, wegen fehlender Angebote und der Öffnungszeiten im Winter, einmal im Monat für zwei Stunden, nicht mehr gekommen. Im März 2010, nachdem auch noch die Vorsitzende gestorben war und Frau Weinhold als Letzte des Vorstandes übrig blieb und gänzlich schließen wollte, habe ich als Vorsitzender mit einem verjüngten und kompetenten Vorstand, den DFK in eine neue Zukunft geführt. Durch den guten Kontakt zu dem Sejmikabgeordneten Herrn J. Golak und dem Bürgermeister aus Glatz haben wir in der Innenstadt, in der Nähe der Polizei neue und adäquate Räume zu einer günstigen Komplettmiete beziehen können.In 2010 gelang es uns dann mit Sponsoren aus Deutschland und Mitgliedsbeiträgen viele Projekte zu realisieren,von Denkmal und Grabpflege deutscher Gräber, Unterstützung der bedürftigen deutschen Rentner in der Heimat, Deutschunterricht für die Nachkommen, Kulturprojekte , Feste und Ausflüge unternommen, um den Zusammenhalt zu unterstützen. Insgesamt für ca. 30.000,- PLN aber von der deutschen Botschaft, die uns hier eigentlich bei unserer Kulturarbeit unterstützen sollte, nicht einen Zloty erhalten, und das trotz mannigfach gestellter Anträge. Wir waren früher Ortsgruppe unter dem DFK Waldenburg und unsere Projektanträge mussten wir dort stellen. Die haben sie dann zur Beurteilung und Begutachtung zum DFK Kreisverband nach Breslau geschickt, die dann nach Oppeln zum Dachverband VDG. Erst danach weiter an die Botschaft, Miete und Bürokosten weiter an die deutsche Stiftung.
Auf diesem Weg sind all unsere Projekte wohl nicht weiter gereicht worden. Nach Rücksprache mit Herrn Gaida, dem Vorsitzenden VDG, also dem Dachverband für die gesamte deutsche Minderheit in Polen, haben wir beim Amtsgericht einen eigenen Verein angemeldet, um die Antragsprozedur zu verkürzen. Plötzlich bekam ich am 16.12.2010 per E-mail die offiziellen Anträge der Botschaft, von denen ich bis Dato keine Kenntnis hatte. Dazu schrieb man, dass auch die formlos eingereichten Anträge berücksichtigt werden könnten. Am 18.12. habe ich dann originale Anträge geschickt, um danach am Telefon zu erfahren, schon am 12.12.2010 seit der Jahresrechnungsabschluss gewesen. Das bringt einen Vorsitzenden zur Verzweiflung! Unsere Registrierung als eigener Verein stellte uns mit den anderen DFK`s auf eine Stufe und es gab keinerlei Probleme aus polnischer Sicht. Das führte aber dazu, das auch die Miete seit Dezember 2010 von der deutschen Stiftung nicht mehr übernommen wurde. Argument war, wir, der Vizevorsitzende und ich gehören nicht zur deutschen Minderheit.
Es gibt Vorsitzende, die als Mittelempfänger auch in der Vergabekommission der Stiftung sitzten und daher in der Lage sind, unsere Zuwendungen zu blockieren. Nun haben wir im Internet, bei Rechtsanwälten Erkundigungen eingezogen und bei der deutschen Botschaft protestiert. Meine Ahnen liegen seit Generationen in Eckersdorf auf dem Friedhof,
meine Eltern sind dort in der Kirche getraut und meine Schwestern getauft worden. Durch Vertreibung wurde ich im Westen gezeugt und bin in der Heimat zurück. Wohl denen die Vertreibung nicht erleben mussten und ich soll nicht zur deutschen Minderheit in Schlesien gehören? Das habe ich ausführlich dem Konsul Brassak bei einer Sitzung erläutert und er hat auf meinen Protest hin, mir einen versöhnlichen Brief geschrieben. Aber was hilft es in unserer Situation? Also stehen wir vor dem finanziellen Aus und werden wieder auf ein Kaffeekränzchen reduzieren müssen, wenn nicht bald etwas Positives passiert. Die beiden Deutschkurse, von unserer Monika Malaszuk geleitet, den Deutschkurs unserer Schülergruppe, geleitet von Heinz-Peter Keuten, zur Erlangung des Zertifikates beim Goetheinstitut und das Schülertreffen mit einer Klasse aus Deutschland sind gefährdet und müssen bis Juni enden, und wenn man schon Pech hat, kommt noch etwas hinzu. Die Stadt Glatz ist hoch verschuldet, deshalb hatte sich unser Freund J. Golak auch nicht zur Wahl des Bürgermeisters gestellt. Der neue muss nun das Tafelsilber verkaufen und damit auch das Haus, in dem wir seit 6 Monaten uns neu eingerichtet haben. Die Kündigung ist zum 15. Juni 2011.
Hätten wir einen Sponsor, der unsere Räume, ca. 145 qm, Innenstadt ebenerdig neben einer Bibliothek für ca. 60.000,- € ersteigert und uns dann vermietet, könnten wir dort verbleiben. Die Lage des Bürgermeisters ist ja noch verständlich, denn er steht genau so mit dem Rücken zur Wand wie wir, wenn es um die Finanzen geht. Aber die Behandlung unserer deutschen Administration hier in Schlesien ist ein Desaster und gehört öffentlich gemacht. Als ich die Kündigung der deutschen Stiftung übermittelt habe, sagt eine Mitarbeiterin, ja dann suchen Sie doch ein anderes Vereinslokal!!! Ja, aber bitte erst nach der Zusage der Übernahme der Mietkosten, die uns zustehen. Ein Lichtblick gibt es, denn am 19.4. soll ich zu einem Treffen mit der Stiftung und dem VDG nach Breslau kommen, um die Lage noch einmal zu erörtern, und ich bin eigentlich sicher, dass danach die Mietkosten übernommen werden. Wegen der Gleichbehandlung aller DFK` im ganzen Land und unserer Argumente wird man nicht weiter blockieren können. Der VDG Vorsitzende ist seit der Tagung beim Pastoralrat unser Freund und auf unserer Seite. Kontakte für neue Vereinsräume habe ich genug. Einem Freund gehört das Kaufhaus gegenüber dem Rathaus in Glatz und dort sind Räume zu vermieten. Ein anderer Kollege hat das große Haus gegenüber vom Kloster gekauft. Das ist leer und Etagenweise zu mieten. Ohne finanzielle Zusage werde ich aber keine Verträge unterschreiben können und wenn die Verhandlungen mit der Stiftung nicht positiv verlaufen,werden wir weitere Schritte unternehmen müssen. Briefe an den Bundespräsidenten, den ich in Breslau beim Forum für Politik und Wirtschaft kennengelernt habe, wie auch an Herrn Dr. Berger, Staatssekretär und zuständig für die Minderheiten, mit dem ich wegen des fehlenden Deutschunterrichtes in den Schulen hier in Kontakt stehe, außerdem an Ifa, Agmo und BDV sind von uns vorbereitet. Ich bin aber sicher, da unser Vorgehen bekannt ist, wird es nicht dazu kommen. Wir werden also sehen, ob man uns zum Wohle der deutschen Minderheit in der Grafschaft weiter arbeiten lässt, denn wir können unsere Jugend, die gerade wieder zurückgekommen ist, und die bedürftigen deutschen Rentner nicht allein lassen. Am letzten Samstag haben wir einen Transport Hilfsgüter vom Malteser Hilfsdienst bekommen und die Sachen müssen an unsere Bedürftigen verteilt werden.
Horst Ulbrich
Wir haben nun eine weitere Aufgabe. Mit Eingaben in Berlin werden wir protestieren, dass Kinder der Vertriebenen, die in nächster Generation in der Heimat zurück sind, auch als deutsche Minderheit in Polen anerkannt werden. Damit hatte man wohl vor der Wende nicht gerechnet und daher ein fehlerhaftes Gesetz entworfen. Die Zugehörigkeit war für uns bisher vollkommen klar, und dass wir von der deutschen Administration hier ausgegrenzt werden sollen, empfinden wir Betroffenen als Provokation. Wir sind aber guter Hoffnung, denn nach Europäischer Gesetzgebung, die Minderheiten betreffend, ist nach Aussage einiger Rechtswissenschaftler die Situation nicht ausreichend geklärt. Also wird sich der kleine DFK Glatz auch noch mit der großen Politik beschäftigen müssen. Wir sind um jeden Rechtsbeistand in dieser Frage dankbar.
Euer
Horst Ulbrich
Vorsitzender DFK Glatz
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60 Jahre Glatzer Gebirgs-Verein in Braunschweig
10.4.2011 von GGV-BS.
Vor 130 Jahren wurde der Glatzer Gebirgs-Verein (G.G.V.) am 2. März 1881 in der niederschlesischen Kreisstadt Glatz gegründet. Nach dem 2. Weltkrieg und der Vertreibung aus der Heimat waren viele GGV-Mitglieder in das Braunschweiger Land gekommen.
Am 9. August 1951 gründeten zehn Mitglieder des alten GGV den heutigen „Glatzer Gebirgs-Verein (GGV) Braunschweig e.V.“ wieder. Daher feiern wir in diesem Jahr das 60-jährige Bestehen in Braunschweig und gedenken an 130 Jahre alter G.G.V.
Die kleine Jubiläumsfeier „60 Jahre GGV in Braunschweig“ findet am Sonnabend, den 7. Mai 2011, statt, zu der wir herzlich einladen: 13.30 Uhr Einlaß zur Feierstunde
14.00 – 17.00 Uhr Feierstunde „60 Jahre Glatzer Gebirgs-Verein in Braunschweig“
im „Vortragssaal“ der Stadthalle Braunschweig, Leonhardplatz 14, 38102 Braunschweig
Eintrittspreis: 10,00 € (Tageskasse) inkl. Kaffee/Tee und Kuchen
18.00 Uhr (bis ca. 19.30 Uhr)
Feierlicher, katholischer Festgottesdienst im Rahmen der „Eucharistiefeier der Christen aus der Ostdeutschen Heimat mit Marienlob“ mit dem BdV-Kreisverband Braunschweig im Liebfrauenmünster „St. Aegidien“
Ägidienmarkt 12 A, 38100 Braunschweig
Zelebranten:
Propst em. Josef Kuschel aus Magdeburg
Propst Reinhard Heine, Braunschweig
Musikalische Begleitung Blasorchester „St. Cyriakus“ Braunschweig
Hinweise für auswärtige Teilnehmer:
Die Stadthalle Braunschweig erreicht man in ca. 10 Min. Fußweg vom Hauptbahnhof. An der Stadthalle bestehen ausreichende, kostenlose Parkmöglichkeiten. Die Aegidien-Kirche ist ca. 1,5 km von der Stadthalle und vom Hauptbahnhof entfernt. Zum Gottesdienst gibt es am Ägidienmarkt nur wenige freie Parkplätze.
Nähere Informationen unter: www.glatzer-gebirgsverein.de -> Aktuell oder -> Programm und -> Zeitschrift 2/2011
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Weihnachtsgruß
19.12.2010 von Horst Ulbrich.
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Liebe Freunde,
es wird Weihnachten, der Stress lässt in der letzten Woche bei Euch hoffentlich etwas nach und man schaut in den Briefkasten, ja heutzutage eher in die Mail Post, wer sich denn zum heiligen Fest so gemeldet hat.
Es ist der 4. Advent, draußen nach den Nachttemperaturen von unter 18 Grad Minus jetzt immer noch Minus 8 Grad, also die richtige Zeit zu schreiben. Morgen soll der Tannenbaum besorgt werden und da fallen mir so einige Schmankerl dazu ein.
Mein erstes Weihnachtsfest in Schlesien werde ich nicht vergessen. Schon Tage vorher hatte mein Schwiegervater 3 Bäume aus unserem Wald geholt, die aber von unseren Frauen gleich abgelehnt wurden. Da Bronek der Meinung war, es wären die Schönsten aus unserem Wald gewesen, machten wir uns auf den Weg in die Tannenschonung unseres bekannten Försters, der uns auch allein den sogenannten schönsten Baum suchen ließ. In teilweise bauchhohem Schnee kämpften wir uns durch die Schonung und immer wenn ich meinte, den Allerschönsten gefunden zu haben, glaubte Bronek einen noch besseren zu sehen und umgekehrt. Als wir uns nach langem Suchen endlich einig waren, ja das ist der schönste Baum um unser Wohnzimmer zu verschönern und der Förster wegen der alten Bekanntschaft auch kein Geld verlangte, machten wir uns stolz auf den Heimweg. Aber auch mit etwas skeptischen Gedanken, ob der Baum auch den kritischen Blicken unserer Frauen stand halten werde. Zu Hause wurde unser Wunderbaum auch kaum kritisiert. Als ich aber nach dem Aufstellen sah, das Schwiegervater mit Bohrmaschine und Gartenschere bewaffnet ins Haus ging, kamen mir Zweifel. Er hat dann nach Anweisung noch den einen störenden Ast entfernt und mit der Bohrmaschine Löcher in den Stamm gebohrt um Lücken mit den Ästen aus unserem Baummagazin aus dem Schuppen zu füllen. Nachdem unsere Frauen dann ein ganzes Schmucklager darauf dekoriert hatten, ja da war es endlich der aller wunderprächtigste Weihnachtsbaum, den ich je gesehen habe.
Wer es nicht weiß. Auch die Traditionen sind natürlich anders als ich es gewohnt war. Bei uns gab es früher schlesische weiße Bratwurst, die regelmäßig geplatzt ist, weil sie ungebrüht war und es eine Kunst ist, diese speziell nur zu Weihnachten produzierte Bratwurst unversehrt zu braten. Dazu Sauerkraut und Kartoffelbrei, die alten Schlesier werden es wissen. In Polen wird nach dem Frühstück und bis es dunkel ist nichts gegessen, Kinder sind eine Ausnahme. Bei uns auf dem Dorf ist die Christmesse schon um 18 Uhr, weil der Pfarrer mit seinem Vikar sonst die fünf zu betreuenden Kirchen nicht schafft. Zum Abendessen wird ein Gedeck mehr aufgelegt, denn es könnte ein armer oder hungriger Gast an der Tür klingeln, der immer willkommen wäre. Das Essen ist aufwendig und mit 12 Zutaten bereitet, wegen der 12 Jünger. Der Hausherr betet vor, danach bekommt jeder ein geweihtes Hostienblatt und geht von Einem zum Anderen, bricht ein Stück der Hostie ab, isst es und man wünscht sich so fröhliche Weihnachten.
Die geweihten Hostienblätter werden schon Tage vorher in der Kirche gekauft und auch oft mit der Weihnachtspost an Freunde im Ausland verschickt. Danach wird gegessen, nein die Völlerei geht los. Immer wieder unterbrochen von einem besonderen Verdauungsschnaps, oder einem Glas Wein. Nach dem deftigen Essen gibt es im Laufe des Abends Kuchen und Plätzchen, später auch etwas Saures wie Hering und Gurken. Es wird gesungen und wie bei uns quält jeder, der sich als Musiker berufen fühlt schon in der Vorweihnachtszeit sein Instrument, das oft übers Jahr nicht angesehen wird aber, um am heiligen Abend dann den weihnachtlichen Gesang mit Musik zu untermalen. Bei uns wird Gitarre, Geige, Akkordeon, Keebord und auch Blockflöte gequält und die Musik der nicht gestimmten Instrumente trägt oft zur Erheiterung des Abends bei. Spätestens dann, wenn niemand zu der angestimmten Dur singen kann. So findet unser Weihnachtsabend immer ein lustiges Ende und ich bin sicher, es wird auch dieses Jahr wieder so sein.
Liebe Freunde dieser Seite, ich wünsche Euch von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Neues Jahr.
Ganz herzlich möchte ich mich bei allen Spendern bedanken, die mit Zahlung auf unsere Konten in Deutschland die DFK Arbeit hier in Schlesien unterstützt haben. Ohne Eure Hilfe wären viele Projekte nicht realisierbar. Spender, die auch DFK Mitglieder sind, haben einen Rechenschaftsbericht erhalten, damit Ihr seht was 2010 erreicht wurde. Auch das Konto Schlesienhilfe für bedürftige deutsche Rentner habt Ihr mit Spenden bedacht und wir konnten wieder Medikamente und Winterkohle in finanziellen Notlagen bezahlen.
Dafür ein ganz herzliches Vergelts Gott.
Es grüßt Euch aus dem eingeschneiten Schlesien,
Horst Ulbrich
Vorstandsvorsitzender des DFK Glatz
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Eine Meinung aus Schlesien
7.11.2010 von Horst Ulbrich.
Kastor und kein Ende.
Liebe Freunde, mal etwas anderes, aber ein Thema das nervt.
Ach was für ein schönes Spektakel und man könnte fast annehmen, es wäre extra für die Medien inszeniert.
Da wurde ja speziell der Transporttermin auf das Wochenende verlegt, um nicht nur Arbeitslosen und Studenten die Gelegenheit zu geben sich in Szene zu setzen, nein auch Schulkinder wurden mit auf Demotour
genommen, damit man endlich aus dem ach so grauen Alltag wieder ein Erlebniswochenende machen kann. Auch die 20 000 Polizisten profitieren endlich von Überstunden und Wochenendzuschlägen.
Da hatten wir hier in Schlesien schon Bedenken, es würden keine Radikalen erscheinen und die Organisatoren hätten keinen Grund auf die Polizei zu wettern, weil ja um friedliche Demonstration gebeten wurde. Aber nein, auf die Radikalen ist Verlass. So war es wieder ein ereignisreiches Wochenende und es gab zum Demofest sogar einen neuen Ausdruck zu feiern: Das Schottern!!!
Die Grünen werden sich freuen mit hohen Teilnehmerzahlen glänzen zu können, denn Dank der Politik und der zeitlichen Wahl konnten neue Höchstzahlen der Demonstranten bekannt gegeben werden. Der
Steuerzahler wird die Zeche schon bezahlen und der Fernsehzuschauer bekommt, wie die Demonstranten gemeldet, wo der nächste Einsatzort der Randalierer sein wird. So verpassen auch die Reporter nicht die Übertragungsorte. In Polen wird es in Zukunft auch bald das erste Atomkraftwerk geben und falls in Deutschland einmal das Licht ausgeht, wird Polen als Nachbarland bestimmt aushelfen, denn hier wäre ein solches sinnloses Spektakel nicht möglich. Bei aller Kritik an Atomstrom steht die Versorgung an erster Stelle und wenn die Erneuerbaren, wie auch Wind und Solar nicht reichen muss eben für eine gewisse Zeit Strom aus Atomkraftwerken kommen, bis es eine bessere Lösung gibt.
Das schreibt ein Atomstromkritiker aus Schlesien.
Horst Ulbrich
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Das größte kirchliche Fest der Schlesier seit Kriegsende
19.10.2010 von Horst Ulbrich.
Liebe Freunde dieser Seite,
lange habe ich mich hier nicht mehr gemeldet, aber es gab sehr viel Arbeit. In der nächsten Zeit wieder mehr aus der Grafschaft.
Mit Erlaubnis des Autors Günther Gröger darf ich das hier veröffentlichen.
Gerhard Hirschfelder:
Seliger der Grafschaft Glatz
Feierliche Zeremonie mit Joachim Kardinal Meisner
bei der Seligsprechung in Münster/Westfalen
am 19. September 2010
Auf den Tag genau 12 Jahre nach der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für Gerhard Hirschfelder im Hohen Dom zu Münster erfolgte nun am selben Ort die lang ersehnte Erhebung in den Stand der Seligen zur Verehrung durch die Gläubigen. Papst Benedikt XVI. unterzeichnete am 27. März 2010 in Rom das Dekret und bestimmte die Diözese Münster, die offizielle Seligsprechungsfeier zu gestalten.
Der Hohe Dom zu Münster
Das Gotteshaus trägt den Namen des Völkerapostels Paulus. Insofern besteht ein Bezug zum neuen Seligen, der sich besonders mit den Briefen des Hl. Paulus auseinandersetzte und ihm nacheiferte. In einer Seitenkapelle des Doms ruhen die Gebeine des Kardinals Clemens August Graf von Galen, des „Löwen von Münster“, ebenfalls ein Widerstandskämpfer gegen die unheilbringenden Lehren der Nazischergen. Kaplan Hirschfelders Ermutigung der Jugend, „Christus-Träger“ zu sein und zu bleiben, wird hier im Kirchenraum durch eine überdimensionale Christophorus-Statue symbolisiert. Ein wahrhaft sinnvoller Ort, den neuen Seligen zu würdigen. Eine Seligsprechung gab es bisher im Bistum Münster noch nicht, insofern bleibt es ein herausragendes Ereignis!
Erster Seliger aus dem Bereich der Grafschaft Glatz
Bisher richtete das Grafschafter Gottesvolk seine Bitten um Fürsprache durch die Jahrhunderte besonders an den „seligen Arnestus von Pardubitz“, der in Glatz die Schule besuchte und dessen Gebeine in der Dekanatskirche ruhen. Er wirkte als erster Prager Erzbischof (1344), erster Kanzler der Prager Universität (1348) und enger Berater des Kaisers und böhmischen wie auch römisch-deutschen Königs Karl IV., jedoch wurde er nie von der Kirche seliggesprochen.
Für Kaplan Andreas Faulhaber, der während der schlesischen Kriege vom Preußenkönig Friedrich II. 1757 persönlich zum Tode am Galgen verurteilt wurde, weil er angeblich im Beichtstuhl einem Soldaten die Fahnenflucht erlaubt haben sollte, wurde zwar eine Seligsprechung angestrebt, aber nie ausgesprochen. Ein offizielles Verfahren wurde bisher nicht eröffnet.
Lebensdaten des Seligen
Der in Glatz angesehene Kaufmann Oswald Wolff überließ seinen Sohn Gerhard Franziskus Johannes der Mutter Maria Hirschfelder, die ihn am 17. Februar 1907 als ihr einziges Kind zur Welt brachte, während der leibliche Vater Olga Einspenner ehelichte und mit ihr fünf Kinder zeugte. Gerhards Mutter verdiente ihren Lebensunterhalt als Schneiderin. Sie schaffte es, ihrem Sohn – mit finanzieller Unterstützung der Pfarrei – eine Ausbildung zum Priester zu ermöglichen. Auf eigene Bitte hin erhielt er als uneheliches Kind eine Dispens vom Weihehindernis – ab 1983 aus dem Kanon herausgenommen -, durfte allerdings seine Primizmesse am 1. Februar 1932 nicht – wie sein mit ihm zusammen geweihter Freund Ernst Heinze - in seiner Heimatpfarrkirche St.-Maria-Himmelfahrt in Glatz feiern, sondern mußte zu den Herz-Jesu-Schwestern im Kurort Bad Langenau ausweichen.
Er wurde in Tscherbeney/Grenzeck Pfarrer Augustin Hauffen als Kaplan zugeteilt und erfüllte seine Aufgaben in der Pfarrei mit 4500 Katholiken zu dessen vollster Zufriedenheit. In väterlicher Zuneigung nannte dieser seinen eifrigen Kaplan sein „Hirschla“.
Nach der Machtergreifung Hitlers kam es zu immer heftigeren Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten, vor allem mit dem fanatischen und herrschsüchtigen Ortsgruppenleiter. Ständig wurde der Kaplan überwacht und bespitzelt; es folgten Vorladungen, Verhöre, zunehmend einschränkende Auflagen und gar ein Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft in Breslau.
Inzwischen hatte Dr. Franz Monse seine Arbeit als Großdechant begonnen und beorderte ihn im Februar 1939, um ihn vermutlich etwas aus der Schußlinie zu nehmen, nach Habelschwerdt. Dort traf er auf den Stadtpfarrer Dechant Pius Jung, einen Großonkel unseres jetzigen Großdechanten Franz Jung und übernahm zugleich die Seelsorge für die gesamte katholische Jugend der Grafschaft. Er selbst hatte fleißig bei der Jugendorganisation Quickborn mitgearbeitet, dort Anregung und Prägung erfahren, und gestaltete jetzt eine rege Jugendarbeit, mit Fröhlichkeit und Geselligkeit, mit Flöte und Gitarre beim Gruppenunterricht, und er führte Wallfahrten mit mehr als 2000 Jugendlichen durch.
Die Übergriffe und Bedrohungen durch die Nazis wurden immer deutlicher und heftiger, so daß er z. B. auch einmal überfallen und zusammengeschlagen wurde. Die Beobachtungen und Drangsalierungen, die Provokationen und das Mitschreiben der Predigten durch Parteispitzel wuchsen zur Regelmäßigkeit. Nachdem er im Zusammenhang mit der mutwilligen Zerstörung eines Bildstocks der Krönung Mariens in seiner Predigt am 27. Juli 1941 den bekannten Kernsatz an die schändlichen Übeltäter richtete: „Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher!“, wurde er am 1. August 1941 von der Gestapo ins Gefängnis nach Glatz gebracht, von dort am 15. Dezember 1941 nach einer 14-tägigen Zugfahrt mit 5 Personen in einer Einmannzelle mit einem Zwischenaufenthalt in einer Wiener Haftanstalt am 27.12.1941 unter der Nummer 28972 ins KZ Dachau eingeliefert. Nach einem Jahr voller Demütigungen, bei ungewohnt harter Arbeit, ausgehungert, fast zum Skelett abgemagert, verstirbt der Häftling Gerhard Hirschfelder am 1. August 1942. Die Lagerleitung gab als Todesursache eine Rippenfellentzündung an.
Inzwischen erschienen in deutscher und polnischer Sprache ausführliche Lebensbeschreibungen. Diese können unter den eMailadressen: glatzer-visitatur@t-online.de und frost@netgate.com.pl abgerufen werden.
Überwältigende Teilnehmerzahl
Die feierliche Erhebung Gerhard Hischfelders zur Ehre der Altäre erfolgte am 19. September 2010 im Hohen Dom zu Münster. Wegen der zu erwartenden hohen Anteilnahme wurde die heilige Handlung zeitgleich auf große Bildwände in der Überwasser- und der St.-Lamberti-Kirche übertragen. Diese Maßnahme erwies sich als sehr sinnvoll, denn alle drei Gotteshäuser waren dicht gefüllt! Rund 4000 Gläubige hatten sich hier versammelt.
Zahlreiche Bischöfe, Visitatoren, Prälaten, Priester und Diakone sowie Ordensleute und etwa 40 „Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem“ nahmen an der Feier teil, die vom Metropoliten von Köln, Joachim Kardinal Meisner, geleitet wurde. Alle wurden von Domprobst Josef Alfers herzlich willkommen geheißen.
Das Grün der Bischofsgewänder, das Violett des Domkapitels und der Prälaten sowie die weißen Mäntel der etwa 40 Ordensritter mit dem leuchtend roten Jerusalem-Kreuz und 18 Fahnen ergaben zusammen ein farbenfrohes Bild!
Die festliche Zeremonie
Brausendes Orgelspiel des Domorganisten Thomas Schmitz eröffnete die heilige Handlung.
Die musikalische Ausgestaltung wurde zudem vom Grafschaft Glatzer Chor unter dem Dirigat von Georg Jaschke und dem Grafschaft Glatzer Orchester unter der Leitung von Mona Veit mit der Festmesse von Ignaz Reimann, dem Grafschafter Komponisten aus Albendorf, sowie lateinischen Gesängen der Schola Ludgeriana mit Domkapellmeister Andreas Bollendorf übernommen, ergänzt durch Lieder der Gemeinde aus dem Gotteslob.
Im Altarraum hatten die Münsteraner Bischöfe em. Dr. Reinhard Lettmann, Friedrich Ostermann, Heinrich Timmerevers Platz genommen, dazu die Vertriebenenbischöfe Dr. Reinhard Hauke, Erfurt, und em. Gerhard Pieschl, Limburg, Franz-Josef Overbeck, Essen, sowie die Visitatoren Dr. Joachim Giela, em. Winfried König, Dr. Wolfgang Grocholl, Dr. Alexander Hoffmann, Dr. Lothar Schlegel , ferner unter anderem der Prälat Martin Hülskamp, Münster, und Prälat Helmut Moll, Köln, sowie Franz M. Herzog, Bonn, Leiter der Arbeitsstelle für Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz.
Feierliche
Konzelebration beim Pontifikalamt
Joachim Kardinal Meisner zelebrierte das heilige Meßopfer zusammen mit Bischof Dr. Felix Genn, Münster, Erzbischof Dominik Duka, Prag, Bischof Dr. Ignac Dec, Schweidnitz, Nuntius em. Erzbischof Dr. Erwin Josef Ender, Rom, Bischof Joachim Reinelt, Dresden, und Großdechant Prälat Franz Jung, Münster. Es assistierten die Diakone Johannes Gröger und Ewald Pohl, während Diakon Arnold Bittner bei Ein- und Auszug mit dem Tragekreuz voranschritt.
Der Akt der Seligsprechung
Als das Kyrie aus der „Missa de Angelis“ verklungen war, wurde die offizielle Beatifikation nach der von Bischof Dr. Felix Genn vorgetragenen Bitte und der Vorstellung des neuen Seligen durch Großdechant Prälat Franz Jung von Joachim Kardinal Meisner feierlich verkündet, indem er die „Apostolische Bulle“ vom 14.09.2010 aus Rom verlas, in der Papst Benedikt XVI. kraft seiner apostolischen Autorität Gerhard Hirschfelder zur Ehre der Altäre erhebt. Sein Festtag wird auf den 2. August gelegt.
Daraufhin wurde das 3 x 5 m umfassende Kunstwerk eines Hirschfelder-Porträts enthüllt und eine neugestaltete prächtige Gedächtniskerze entzündet. Auf den Gesang des neugetexteten Hirschfelder-Liedes und die Dankesworte des Bischofs Dr. Genn folgten das Gloria der Festmesse von Ignaz Reimann und die Lesungen.
Eine aufrüttelnde Predigt
„Jugendseelsorger von solchem Format möge Gott unserer geplagten Jugend gerade heute schenken.“ und „Bei diesem jungen Priester können auch ältere Priester und Bischöfe in die Schule gehen.“
Kardinal Meisner zeigte sich einerseits begeistert von diesem „forschen, sympathischen und schwungvollen Jugendseelsorger“, andererseits auch von dessen „tiefen theologischen Kommentaren zu den Paulusbriefen“ und den Kreuzwegbetrachtungen, die der Eingekerkerte im Gestapo-Gefängnis in Glatz niederschrieb. „Die Liebe Christi drängte ihn über alle Gefahren und Widerstände hinweg.“. Sie habe ihm die Tapferkeit, die Energie des Glaubens verliehen, ein Zeuge des Evangeliums zu werden; sie gab ihm die Kraft, alle Vorsicht und Angst zu vergessen und als Prediger mutig anzuklagen: „Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher!“ „Mit seinem Gott sprang er gleichsam über Mauern von Angst, Vorurteilen, Feigheiten und Leisetretereien.“
„Und Gott ließ ihn leiden. Er hat gleichsam die horizontale Lebenslinie … durch die vertikale Gotteslinie durchkreuzt, so daß aus dem Minus seiner Widersacher das Plus seines Zeugnisses geworden ist. … Gerhard Hirschfelder ist durch und durch ein solcher Plustyp.“
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Seligsprechung am 19. September in Münster
13.6.2010 von admin.
Der schlesische Jugendseelsorger Gerhard Hirschfelder wird seliggesprochen. Die Seligsprechung Hirschfelders wird im westfälischen Münster gefeiert und findet am 19. September 2010 um 15.00 Uhr im Dom zu Münster statt.
Am 19. September 2010 wird Kaplan Gerhard Hirschfelder um 15.00 Uhr im Dom zu Münster in einer feierlichen Zeremonie „zur Ehre der Altäre“ erhoben. Die Feier wird zeitgleich mit Bild und Ton in die Überwasserkirche unterhalb des Doms übertragen.
Die Seligsprechung wird in Vertretung des Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Erzbischof Angelo Amato, der Metropolit der Kirchenprovinz Köln, Kardinal Joachim Meisner, vornehmen.
Die Nachfeier wird am Sonntag, den 10. Oktober 2010, ab 10 Uhr in der Pfarrkirche im schlesischen Tscherbeney (Grafschaft Glatz) stattfinden, wo sich auch das Hirschfelder-Grab befindet.

Gerhard Hirschfelder (1907-1942) hatte sich in der NS-Zeit unter anderem öffentlich gegen die Zerstörung christlicher Symbole gewandt und wurde daraufhin zunächst ins Gefängnis und dann ins Konzentrationslager nach Dachau gebracht. Dort starb er im August 1942 im Alter von 35 Jahren.
Der Vatikan erkannte nun zum Abschluss des Seligsprechungsprozesses das Martyrium Hirschfelders an. Papst Benedikt XVI. erließ am Sonnabend, den 27. März 2010, wie für eine Reihe anderer „Diener Gottes“ das dafür notwendige Dekret.
Näheres zum Leben und Wirken von Kaplan Gerhard Hirschfelder sowie den Seligsprechungsprozess findet man bei der Stiftung Kaplan Gerhard Hirschfelder unter: www.hirschfelder-stiftung.de
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